Aktuelles-Archiv
Aus der "Westerwälder Zeitung": Bürger informieren sich über Windenergie
Exkursion Besorgte Wäller waren zu Gast im Soonwald
M Westerwaldkreis. Kürzlich organisierten besorgte und interessierte Bürger aus den Gemeinden Mörlen, Neunkhausen und Elkenroth eine Busfahrt zu den Baustellen und bereits errichteten Windkraftanlagen in der Nähe von Emmelzhausen-Ellern im Soonwald. Der Ausflug war nicht als idyllisches Kaffeekränzchen gedacht, sondern zur Information vor Ort und zum Austausch mit Betroffenen.
„Eine der größten Onshore-Windkraftanlagen in Rheinland Pfalz kann man im zweitgrößten zusammenhängenden Waldgebiet von Rheinland-Pfalz als großartige deutsche Ingenieursleistung bestaunen oder als Zerstörung der Jahrzehnte gewachsenen Kulturlandschaft verachten“, heißt es in einer Pressemitteilung der Teilnehmer. „Wenn man aber als naturliebender Westerwälder die von Harvestern geschlagenen Waldautobahnen zu den Baustellen, die wie Pilze aus dem Boden schießen, betritt, ist die Entscheidung erfühlbar.“ Sanfte Waldwege gewohnte Wanderschuhe würden plötzlich 60 Zentimeter hoch aufgeschotterte und verdichtete Waldschneisen betreten. Baucontainer und der schon riesig anmutenden 67 Meter hohe Betonstupf der Windkraftanlage E-126 könnten begutachtet werden.
Von ihrem Begleiter Michael Karbach, Hunsrücker und Behüter des Soonwaldes, erfuhren die Westerwälder, dass als nächstes der 140 Meter hohe Baukran errichtet werden müsse, der dann einen noch größeren Kran aufbaut, der wiederum die hohe Stahlröhre montiert. Anschließend werde die Maschinengondel, die so groß wie ein Zwei-Familienhaus ist und bis zu 160 Tonnen wiegen kann, hochgehievt.
„Wir waren sehr betroffen von den Wunden und der flächendeckenden Bebauung des Soonwaldes an dieser Stelle in Ellern und rund um die Kreisstadt Simmern. Die Zerstörung der Natur, des Waldes war offensichtlich. Das Landschaftsbild ist nun geprägt von Industriebauten, die, als saubere Energieerzeuger getarnt, den Hunsrück als Erholungsgebiet aus dem Reiseatlas streichen“, schreiben die Bürger. Die Einwohner in der Nähe der Windkraftanlagen blieben nicht verschont vom Lärm, der durch das stetige Drehen der Rotorblätter weithin zu hören sei. Infraschallwellen seien eine weitere Nebenwirkung.
„Bis hierher können wir nur erahnen, was die Menschen teilweise ertragen müssen. Die Bilder und Eindrücke nehmen wir mit in unsere Heimat. Wir wollen nicht, dass es hier bald auch so aussieht. Wir wollen umfassend informiert werden und mitbestimmen“, betonen die Wäller Exkursionsteilnehmer in ihrer Mitteilung.