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Aus der "Westerwälder Zeitung": Pauly: Nicht am Bestand, sondern an Wünschen orientieren
VRM-Geschäftsführer zeigt anhand des ÖPNV in den Nachbarkreisen das Machbare auf
Wie kann es sein, dass man in vielen Gemeinden des Westerwaldkreises nur zu wenigen Zeitpunkten am Tag in einen Bus steigen kann, in dem kleinen Mörlen im oberen Kreisteil aber von 5 bis 22 Uhr im Stundentakt Anschluss an den ÖPNV hat? Dieses Rätsel konnte Stephan Pauly, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Rhein-Mosel, zu dem neuerdings auch der Westerwald gehört, leicht lösen: Mörlenprofitiert von einer gebündelten Ausschreibung von attraktiven und weniger attraktiven Busstrecken im Nachbarkreis Altenkirchen, an den der Grenzort Mörlen direkt angebunden ist.
Anhand des dem Westerwald benachbarten Rhein-Lahn-Kreises skizzierte der Fachmann, wie man zu einem völlig neuen ÖPNV-Konzept Rheinland-Pfalz kommen will. Nötig werde das vor allem dadurch, dass schon in naher Zukunft die Schülerzahlen sinken und dadurch auch die Erlöse geringer werden. Auf der anderen Seite werde sowohl der Anteil der älteren Menschen genauso erheblich steigen wie die Betriebskosten. Um eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben Städtern wie der ländlichen Bevölkerung garantieren zu können, seien Veränderungen im ÖPNV unausweichlich.
Dabei dürfe man sich nicht am Bestand, sondern müsse sich an den Wünschen und neuen Standards orientieren und zu einer Planung kommen, die unabhängig von Verkehrsunternehmen ist. Dabei machte Pauly deutlich, dass das nicht ohne finanzielle Beteiligung der Kreise funktionieren kann, diese aber auch nicht unbedingt astronomische Summen erreichen muss.
Im Rhein-Lahn-Kreis wird mit Unterstützung des Kreises gerade das verwirklicht, was sich Pauly auch für den Westerwald vorstellt: Auf den Hauptlinien soll es montags bis freitags einen Stundentakt geben, samstags und sonntags einen Zweistundentakt. Jeder Ort im Kreis soll bei einer Mindestbetriebszeit von 6 bis 23 Uhr an Werktagen im Zweistundentakt ans Netz angebunden werden – was im Nachbarkreis wohl schon zu 90 Prozent erreicht ist. Dafür müsse man auch schon mal heilige Kühe schaffen und zum Beispiel den Unterrichtbeginn an manchen Schulen auf den Prüfstand stellen, um zu einer gleichmäßigeren Auslastung der Fahrzeuge zu kommen.
Zudem soll über Zehn-Jahres-Verträge mit den Unternehmen nicht nur ein verlässliches Betreiben der Linien erreicht werden, sondern auch eine hohe Qualität der Fahrzeuge und ein kundenorientiertes Verhalten des Fahrpersonals gesichert werden.